PROF. UNRAT

Alte Mälzerei in Mosbach
Dienstag, 05.10.2021 um 19:30 Uhr
Veranstalter: Stadt Mosbach

PROF. UNRAT


Badische Landesbühne startet mit „Professor Unrat“ in die neue Spielzeit
Mit John von Düffels Bühnenfassung von Heinrich Manns Roman „Professor Unrat“ eröffnet die Badische Landesbühne in Mosbach die Spielzeit 2021.2022, die sie unter das Motto „Da sind wir wieder!“ gestellt hat.
Für den menschenfeindlichen Gymnasiallehrer Raat gibt es kaum etwas Vergnüglicheres, als Schillers Die Jungfrau von Orleans zu rezitieren. Ebenso Gefallen bereitet es ihm, seine Schüler zu triezen und ihnen dabei zuzusehen, wie sie an dem Klassiker scheitern. Für den vergrämten Raat ist das Klassenzimmer längst zum Schlachtfeld geworden, auf dem er nicht nur die bürgerlichen Werte der Wilhelminischen Zeit verteidigt, sondern auch seine Herrschsucht auslebt. Seine Schüler durchschauen die Fassade des vordergründig pflichtbewussten Lehrers und schimpfen ihn hinter seinem Rücken Unrat. In der verrufenen Kneipe „Der Blaue Engel“ machen sie die Nacht zum Tag, verspotten die brüchige Wertewelt ihres Lehrers und machen der Sängerin Rosa Fröhlich schöne Augen.
Als Raat von den nächtlichen Eskapaden seiner Schüler Wind bekommt, wittert er die Gelegenheit, dem ihm besonders verhassten Schüler Lohmann die Karriere zu ruinieren. Empört und händereibend zugleich sucht er das Etablissement auf, um Rosa die Verführung der Jungen vorzuwerfen.
Die selbstbewusste Sängerin weist seine Anschuldigungen kokett von sich und zieht den verkrusteten Lehrer mit ihrem Charme und ihrer gesellschaftlichen Unangepasstheit in ihren Bann. Von der Erotik der Künstlerin betört, stürzt sich Raat in ein geradezu wahnhaftes Liebesabenteuer. Schrittweise wirft er dabei die konventionellen Moralvorstellungen über Bord, wird zum Amokläufer gegen die Gesellschaft und schließlich zur Persona non grata.
„Mit ‚Professor Unrat‘ schrieb Heinrich Mann 1905 nicht nur eine hellsichtige Analyse autoritärer Strukturen, sondern auch eine ebenso radikale wie kurzweilige Abrechnung mit bürgerlicher Doppelmoral“, so Regisseur Arne Retzlaff. „An dem Stoff interessiert mich besonders die widersprüchliche Kraft der Entgrenzung, die dem Konformisten Raat widerfährt. Er befreit sich zwar von seinen bürgerlichen Fesseln, verliert aber zugleich den Boden, auf dem er steht. In der Geschichte stecken letztlich die Fragen danach, wie tolerant wir als Gesellschaft wirklich sind und wie wir mit abweichenden Lebensentwürfen umgehen?“
Wie Schüler verharren die Schauspieler zu Beginn des Theaterabends auf ihren Sitzplätzen. Sie sprechen nicht nur die Dialoge der Figuren, sondern Lesen auch die Regieanweisungen, was der Inszenierung einen gewissen Hörspielcharakter gibt. Die Videoprojektionen von Nils Menrad lassen in das Innere von Raats Mikrokosmos blicken. Nach und nach wird dieser durch Bilder aus der schrillen und funkelnden Künstlerwelt der Sängerin und Femme fatale gesprengt. Mit Raats zunehmender Vereinnahmung durch diese öffnet sich der Raum, die Schauspieler verlassen ihre Sitzplätze und das Spiel gewinnt an Dynamik, Farbe und Phantasie. Als Rosa Fröhlich singt Elena Weber mehrere Lieder aus der weltberühmten Romanverfilmung „Der blaue Engel“, welche ihre Kämpfe als Künstlerin, Frau und Mutter nachzeichnen. Begleitet wird sie dabei von Oliver Taupp am Piano. Die Titelrolle spielt René Laier.
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